Die richtige Haltung

Lachen ist gesund, es hält uns fit und stärkt unser Immunsystem. Außerdem ist es ansteckend. Wir können uns kaum erwehren miteinzufallen, wenn jemand herzlich lachen muss. Wer’s nicht glaubt, kann es HIER selbst probieren.

Wir haben schon oft gehört: Lachen ist gesund! Wir wissen auch, dass lachen ansteckend sein kann. Dies ist ein Aspekt, den wir meist als angenehm empfinden. Aber nicht nur positive Emotionen sind ansteckend. Welchen Sinn aber sollte es haben, bei Filmen los zu heulen oder mit Elfmeterschützen mit zu fiebern? Der Grund ist, dass wir uns so besser in die Gefühle anderer hineinversetzten können.

Die Wirkung von Emotionen auf unsere Stimmung

Treffen wir nach einem anstrengenden Arbeitstag deprimiert auf eine gut gelaunte Freundin, hebt sich unsere Stimmung im Nu und wir schaffen es am Ende vielleicht sogar, über die Missgeschicke des Tages zu lachen. Aber nicht nur positive Emotionen sind ansteckend. Die Stimmung einer depressiven Person zieht uns ebenfalls runter und traurige Filme machen uns ebenfalls nachdenklich. Es ist nicht nur, dass was die Person sagt ausschlaggebend, sondern die ganze Körperhaltung beeinflusst uns. Betrachtet man zwei Menschen im Gespräch, kann häufig beobachtet werden, dass die Gesprächspartner die gleiche Körperhaltung einnehmen. Wir überschlagen fast gleichzeitig mit unserem Gesprächspartner die Beine oder stützen unseren Kopf auf der Hand ab. Durch ständige Beobachtung unseres Gegenübers beginnen wir allmählich, uns gegenseitig nachzumachen und unsere Stimmung dem Anderen anzupassen.

Welchen Sinn sollte es aber haben, bei Filmen los zu heulen oder mit dem Elfmeterschützen mit zu fiebern, wenn es gar nicht unser Leben eigenes Leben betrifft?

Die Fähigkeit der Menschen, sich in andere hinein zu versetzen, mit anderen mit zu fühlen, empathisch sein zu können, ist besonders in der Tierwelt. Wir können durch Imitation Absichten und Handlungen nachvollziehen und davon lernen. Diese Fähigkeit zur Empathie ist extrem wichtig für emotionale und soziale Bindungen zwischen Menschen. Spezielle Neurone in unserem Gehirn, die Spiegelneurone sind die Basis für Imitation und helfen uns von frühester Kindheit an diese soziale Kompetenz zu entwickeln.

Lernen durch Nachahmen

Lächelt eine Mutter ihr neugeborenes Kind an, „feuern“ die Spiegelneurone des Kindes und lösen einen Reflex bei dem Kind aus. Von nun an versucht das Kind die Gesichtsausdrück der Mutter nachzuahmen mit den Grundemotionen zu verknüpfen, die sie vermitteln. Bald wird das Kind auch seine Augenbrauen zusammenziehen, wenn die Mutter sich über irgendetwas beschwert, und vieles mehr.

Lernen durch Imitation unserer Bezugspersonen oder Vorbilder ist sehr wichtig für jedes Kind. Auf diese Art finden sie sich in die Gesellschaft, in der sie aufwachsen, ein. Schon bei Kleinkindern kann man beobachten wie sie sich bemühen, die Körperhaltung, den Gesichtsausdruck und die Gestik ihres Vorbildes imitieren. Nach den ersten Lebensjahren ist das leuchtende Vorbild vielleicht nicht mehr ein Elternteil, sondern Geschwister oder Gleichaltrige aus der „peer-Group“ des Kindes. Die Kinder übernehmen die Strategien ihrer Weggefährten wie Gefühle in ihrer Gesellschaft ausgedrückt aber auch kontrolliert oder gar versteckt werden. Auf diesem Weg werden traditionelle Verhaltensweisen der Familie, Gemeinschaft oder sogar eines ganzen Volkes von Generation zu Generation weitergegeben.

Wir hatten das Thema auch im letzten Blogartikel, wo es darum ging Eindruck zu machen. Wenn wir eine charismatische Person so zur Übung versuchen nachzumachen, stellen wir eventuell fest, dass wir uns mit dem Auftritt dieser Person identifizieren können. Wir merken, mit welchem Verhalten wir uns wohl fühlen und welche Handlungen uns aufgesetzt vorkommen. So schaffen wir es unser eigenes Verhalten besser zu reflektieren und gegebenenfalls zu verändern.

Die Kehrseite

Emotionen kommen aus unserer tiefsten Seele, werden nur durch spezielle (meist individuelle) Auslöser hervorgerufen und können nur schwer vorgespielt werden. Doch die Angst nicht dazuzugehören lässt uns von frühester Kindheit an unsere Empfindungen kontrollieren beziehungsweise anpassen. Wenn wir dann Erwachsen sind gibt es nur noch wenige Situationen, in denen wir uns „kindisch“ benehmen und unseren Gefühlen freien Lauf lassen, aber die meiste Zeit reagieren wir kontrolliert und sind verstört, wenn es jemand nicht tut.

All das lässt uns beispielsweise mit Begeisterung, gute Ratschläge rufend, Fußballspiele ansehen. Aber wenn einer der Spieler Gefühle zeigt (du erinnerst dich vielleicht an das EM Finale 2016), oder gar weint, sind wir sofort peinlich berührt. Manche Menschen fühlen sich sogar bemüßigt Kommentare zu veröffentlichen, dass die Reaktion des Spielers kitschig oder zumindest unangebracht sei. Doch in Wahrheit kann er sich glücklich schätzen, in der Lage zu sein, diese Gefühle zuzulassen – vor allem wenn sie sein eigenes Leben betreffen.

Die emotionale Grundhaltung einer Familie oder ganzen ethnischen Gruppe wird durch Imitationslernen an die nächste Generation weitergegeben. Die verletzliche Emotionalität und Offenheit eines Kindes wird internalisiert und der Denkprozess an den eines Erwachsenen angepasst. Doch das birgt auch große Gefahren!

In Bezug auf eine positive Einstellung gegenüber Migration oder dem aktuellen Arbeitsmarkt wäre mehr Offenheit, Reflexion und Bewusstsein sehr angebracht; Offenheit gegenüber den Gefühlen andere Menschen und Reflexion der eigenen Angst oder Wut. Es ist fast unmöglich die festgefahrenen Denkmuster anzupassen, aber wir sollten es zumindest für die Zukunft unserer Kinder versuchen. Denn sie müssen ein der (emotionalen) Welt, die wir geschaffen haben, leben.

Stimmungsbarometer

Wir spiegeln Mimik und Gestik unserer Mitmenschen aber nicht nur um uns in deren Gefühlslage hineinzuversetzen, sondern profitieren auch anderweitig  davon. Indem wir unsere Mitmenschen mimen, können wir uns in die Stimmung der anderen hineinversetzen und sie überträgt sich auf unsere eigene Stimmung. Dies geht soweit, dass wir uns im Spiegel selbst anlächeln können und unsere Stimmung wird sich aufhellen. Studien haben gezeigt, dass das Nachmachen von Gesichtsausdrücken einen signifikanten Effekt auf die Stimmung hat. Die Stimmung der Teilnehmer, die lächeln mussten, hellte sich im Gegensatz zu denen, die keine Mimik zeigen sollten, signifikant auf – machten sie das vor dem Spiegel war der Effekt sogar doppelt so groß. Möchte man sich also selbst den Tag versüßen, sollte man einfach die Welt und seine Mitmenschen anlächeln. Allerdings muss das Lächeln echt sein! Das heißt: Nicht nur der Mund, auch die Augen müssen lächeln und das kann man nicht spielen. Der Effekt zeigte in Studien deutlich weniger Wirkung, wenn die Teilnehmer nur halbherzig ihr Gegenüber anlächelten. Ein mitreißendes Lächeln ist also immer mit echten positiven Empfindungen verbunden.

Gefühle im Arbeitsalltag

Unser ganzes Leben wird von Gefühlen bestimmt. Manche unterdrücken sie, manche lassen ihnen freien Lauf, aber alle haben sie. Das Besondere daran ist, dass Gefühle, egal ob unterdrückt oder offen gezeigt, sich in unserer Mimik und Körperhaltung spiegeln. Abhängig von der Stimmung stehen wir aufrecht oder lassen die Schultern hängen, wir straffen die Stirn und heben die Mundwinkel oder zeigen einen finsteren oder gequälten Gesichtsausdruck. Dieses Wissen kann uns helfen, den Handlungen unserer Kunden oder Teammitglieder auf den Grund zu gehen. Schlechte Stimmung verbreitet sich wie ein Lauffeuer, wenn man sie nicht bewusst wahrnimmt und die Gründe dafür aufspürt. Möglicherweise hat die Körpersprache des Gegenübers nichts mit dem Gesprächsthema zu tun, es kann auch private oder andere berufliche Gründe haben. Dies gilt es behutsam auszuloten, bevor man sich um Kopf und Kragen redet um den Kunden zu überzeugen.

Für gute Stimmung sorgen

Das Bewusstsein, dass die Stimmung der Menschen nicht zwingend etwas mit uns oder dem Gesprächsthema zu tun hat, hilft sie Situation objektiv einzuschätzen. Bevor ich mich also darum bemühe, eine Person von einer Sache zu überzeugen gegen die mein Gegenüber sich gar nicht wehrt,  sorge ich für gute Stimmung. Ich versuche herauszufinden, was derjenige gerade braucht oder ich versuche ihn mit meiner guten Stimmung mitzureißen.

Versucht es doch mal und schreibt mir einen Kommentar, welche Erfahrungen ihr gemacht habt.

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